Alle Jahre wieder tobt in Deutschland die Debatte um das Tempolimit. Eine Scheindebatte, wie sich bei näherer Betrachtung schnell feststellen lässt. Hier geht es meist eher darum, die eigene politische Klientel zu bedienen, statt der Sache zu dienen und eine wirklich gute Lösung zu erarbeiten. Wer sich die deutschen Autobahnen anschaut, der wird schnell feststellen, dass das Motto „freie Fahrt für freie Bürger“ ausgedient hat. Es herrscht de facto schon ein Tempolimit auf der Autobahn. Es sind nur noch wenige Teilstücke wirklich offen geblieben und der große Rest ist reguliert. Aber nicht nur durch die immer stärkeren Beschränkungen herrscht fast überall eine Tempobegrenzung, es ist schlichtweg zu viel Verkehr auf deutschen Autobahnen. Hier wird es immer seltener möglich, weit über 200 Stundekilometer zu fahren. Wenn es einem doch gelingt, dann meist nur für wenige Augenblicke.
Diese Augenblicke sind allerdings für die deutsche Seele sehr wichtig und werden genossen. Doch nicht nur um das seelische Wohl geht es bei der Debatte. Auch für die Automobil-Industrie ist die offene Geschwindigkeitsbegrenzung sehr wichtig. So verkaufen sie doch ihre hochmotorisierten Fahrzeuge im Ausland unter anderem mit dem Slogan „auf deutschen Autobahnen getestet“. Laut dem Verband der Automobil-Industrie hätte ein generelles Tempolimit eine sehr negative Auswirkung auf den Verkauf der Fahrzeuge. Ebenso würde das Image Deutschlands als Autoparadies stark leiden. Dies soll auf jeden Fall vermieden werden. Hier sind die Positionen klar und deutlich. Der Politik bleibt am Ende nichts anderes übrig, als dem nachzugeben und auf die Begrenzung zu verzichten. Auf der anderen Seite werden aber immer mehr Autobahn-Abschnitte reguliert. Ein sehr geschickter Schachzug, mit dem beide Seiten leben können. Dass der Verbraucher dabei an der Nase herumgeführt wird, scheint nicht weiter aufzufallen.