Der Jahrhundertsommer

Für viele war der Sommer des letzten Jahres der beste seit langem. Die Sonne schien über Wochen und Monate hinweg jeden Tag, das Wort Kälte wurde aus dem Wortschatz gestrichen. Kaum jemand schien sich daran erinnern zu können, wie es sich anfühlt zu frieren. Dies war ein großes Problem. Nicht für die Menschen die ihre freie Zeit im Freibad oder an den Badeseen verbrachten. Nein, die Mode-Industrie hatte ein gewaltiges Problem mit dem „schönen“ Wetter, sie hatte sich auf einen viel kürzeren und kühleren Sommer eingestellt und dementsprechend ihre Waren produzieren lassen. Es ließ sich zwar kurzfristig die leichte und bequeme Sommerware nachproduzieren, um den aktuellen Bedarf zu decken, doch das Problem bestand nun in den übervollen Lagern, in denen sich die Herbstmode stapelte. Denn einen Herbst gab es nicht, es ging vom Sommer fast nahtlos in den Winter über.

Dies brachte selbst die großen Mode-Unternehmen in arge Bedrängnis, denn das kann in einer Branche, die gerade eh schwer zu kämpfen hat, ein Todesurteil sein. Somit standen zum Winter letzten Jahres viele Unternehmen mit dem Rücken zur Wand. Es darf davon ausgegangen werden, dass die diesjährige Herbstmode die sein wird, die eigentlich für den letzten Herbst angedacht war. Ein kleiner Schönheitsfehler, aber es war wichtig, dass Entscheidungen getroffen wurden die den Unternehmen den Fortbestand gesichert haben. Durch die Folgen des Jahrhundertsommers, wurde einmal mehr deutlich, dass sich der Wind für viele Mode-Unternehmen gedreht zu haben scheint. Jahrelang galten Aktien in der Mode-Industrie als unantastbare Gewinnbringer. Hier ist ein großer Umbruch zu beobachten, der noch nicht abgeschlossen zu sein scheint.

Besonders Unternehmen im mittleren Preissegment widerfährt gerade eine Härteprüfung nach der anderen. Was sind die Probleme? Wie lassen sie sich beheben? Dies ist schwer zu sagen. Einige Dinge liegen ganz offensichtlich im Argen, andere Probleme greifen tiefer. Marken, die sich darauf fokussiert haben, ihre Waren über die großen Kaufhäuser, wie Karstadt oder Kaufhof, zu vertreiben, sehen sich im Moment einer Vielzahl von Herausforderungen ausgesetzt. Der leider oft verpasste Sprung ins Onlinegeschäft ist nur eines davon. Es ist gerade eine wirklich sehr spannende Zeit für die Mode-Industrie, hier findet gerade eine Art Marktbereinigung statt. Dies kann für die gesamte Branche nicht verkehrt sein, auch wenn es den einzelnen Unternehmen und seinen langjährigen Mitarbeitern sehr schwerfallen wird, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen.

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